Zurück im Leben

Jan
2014
07

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Manchmal fühlt es sich so an, als wär die Krebszeit nur ein beschissener, wenn auch sehr realistisch wirkender Traum gewesen. Normalerweise verschwende ich eigentlich fast keinen Gedanken mehr an das Thema Krebs.

Nach langer Zeit habe ich das Gefühl, endlich wieder im “richtigen” Leben angekommen zu sein, ohne ständig zurückblicken. Ich bin nach wie vor dankbar und kann mein Glück kaum fassen, dass ich da so glimpflich rausgekommen bin. Die Erinnerung wird jeden Tag ein wenig blasser und die Ängste werden weniger. Ich fange langsam an zu glauben, dass ich tatsächlich ein “Und sie lebten glücklich und zufrieden…” bekomme.

Noch vor wenigen Monaten konnte ich mir nicht vorstellen, irgendwann mal an diesen Punkt zu kommen – jetzt angekommen zu sein fühlt sich ein bisschen an, wie den Rucksack nach einer langen Wanderung abzustellen und die Aussicht genießen zu können. (Nicht dass ich damit viel Erfahrung hätte… :))

Es hat sich wahnsinnig viel getan in meinem Leben in den letzten Monaten. Wir sind wieder zurück in die “alte” Heimat gezogen, weil Chris nochmal ein Studium angefangen hat. Wir waren im Juni zwei Wochen in der Dominikanischen Republik auf Hochzeitsreise und es war wunderschön. Ich hab einen tollen Job gefunden, hab dort nette Kollegen und die beste Chefin, die ich mir wünschen kann.  Die Weihnachtszeit war auch total schön und die zwei Wochen die ich jetzt frei hatte haben mir richtig gut getan. In den nächsten Monaten werden Chris und ich das Thema Tiefkühlkinder noch einmal angehen und ich muss weiterhin im halbjährlichen Rhythmus ins Krankenhaus zur Nachsorge.

Es fühlt sich inzwischen seltsam an, einen Blogeintrag zu verfassen. Fast 5 Jahre war es für mich Routine, hier zu schreiben und euch auf dem laufenden zu halten. Ich glaube aber, jetzt ist es für mich an der Zeit, tschüss zu sagen und mich zu bedanken. Vielen lieben Dank für all die Kommentare, das Mitfiebern, die Gebete und teilweise sogar Geschenke! Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie sehr mir eure Anteilnahme in der schwierigsten Zeit geholfen hat, die langen Tage im Krankenhaus zu überstehen.
Danke!

Ich weiß nicht, ob ich hier irgendwann mal wieder schreiben werde. Vielleicht krieg ich ja sogar doch irgendwann mal noch die Lust, mein Buchprojekt zu realisieren. Ich will mich auf jeden Fall nicht selbst unter Druck setzen und lass das alles auf mich zukommen.

Den Blog werde ich auf jeden Fall so wie er ist stehen lassen. Ich werde weiterhin auf Mails reagieren, wenn ihr mir persönlich schreiben wollt. Die Facebookseite werde ich auch demnächst schließen, es passiert ja auch nichts mehr. Für den unwahrscheinlichen Fall dass sich der Krebs wieder meldet, werde ich euch das hier natürlich wissen lassen. Aber davon gehen wir jetzt ja einfach mal nicht aus :)

Alles Liebe,
Eure Marina

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PS: Ich habe mich dazu entschieden, die Facebookseite weiter zu betreiben. Dort gibt es zwar nicht viel zu lesen, aber zumindest mal immer wieder ein Lebenszeichen :)

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Frühjahrs-Update

Apr
2013
20

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Erstmal vielen Lieben Dank für die vielen Klicks beim Fotowettbewerb der Deutschen Krebshilfe! Ich weiß viele von euch haben täglich geklickt und es war bis zum Schluss spannend :) Ein besonderes Danke geht an meine Puzzlefreunde aus dem Puzzleforum – das war echt wahnsinn wie ihr euch fast jeden Tag gegenseitig erinnert habt zu klicken :)
Jetzt warte ich mal gespannt die Entscheidung der Jury ab – Drückt mir die Daumen!
Vor 2 Wochen hatte ich mal wieder mein halbjährliches Nachsorge-MRT im Krankenhaus. Ich konnt in der Nacht davor natürlich kaum pennen, weshalb ich dann hundemüde war. Ich dachte vielleicht bekomm ich sogar ein bisschen Schlaf ab. Aber nein, grade als ich tatsächlich mitten in dem Lärm ein bisschen zur Ruhe gekommen bin hat mich der Typ schon wieder rausgeholt um mich umzulagern.
Die Bilder von meinem Fuß werden nämlich immer extra gemacht und dazu muss ich wenigstens nicht voll angeschnallt sein. Dafür darf ich dann eine halbe Stunde lang auf das Wort “Siemens” starren. Diesmal hab ich Anagramme gebildet, meine Lieblingsvarianten waren “Mess nie” und “Eisen SM”. Gut, das Wort gibt jetzt auch nicht allzu viele Möglichkeiten her :)
 
Diese Woche hab ich dann auch gleich den Detailbefund bekommen, Zitat “Kein Hinweis auf ein Rezidiv”. – Erleichterung ist gar kein Ausdruck für das Gefühl, das ich danach hatte.
Dienstag hatte ich noch ne Knochenmarkpunktion und Donnerstag dann mal wieder eine Punktion um Eizellen zu entnehmen. Es konnten auch sage und schreibe 4 Stück entnommen werden (einen Applaus an dieser Stelle an meinen Eierstock, der das alles ganz alleine und ohne Hormonbehandlung hingekriegt hat :)). Leider hat es diesmal aber mit der Befruchtung nicht geklappt. Aber da mein Eierstock ja so voller Tatendrang zu sein scheint, bin ich guter Hoffnung für die nächsten Male :)
 
So, genug von meinem Eierstock. Ich werd jetzt wahrscheinlich für eine Weile nicht mehr posten. Irgendwie gibts ja zum Glück nix Krebsmäßiges mehr zu erzählen :) Ein paar mehr Infos gibt es zwischendurch auf meiner Facebookseite.
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5 Jahre

Feb
2013
08

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…ist es heute genau her, dass ich meine Diagnose bekommen hab.

Ich hätte es wahrscheinlich gar nicht gemerkt, wenn mich ein guter Freund nicht darauf hingewiesen hätte :)

Vor 5 Jahren lag ich in einem Krankenbett rum und hab gesagt bekommen, dass die 5-Jahres-Überlebensrate bei 20% liegt. Ich dachte ich erleb den Tag heute nicht.

Und heute wird mir so richtig bewusst, dass ich der Statistik in den Arsch getreten hab :)

Ist es nicht wahnsinnig cool, dass es mir jetzt so super geht?

Heute gabs auch noch andere coole Neuigkeiten und deshalb werden Chris und ich den Abend ganz gechillt mit Pizza ausklingen lassen :)

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Krankenhausgedanken

Jan
2013
15

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Es ist seltsam. Heut war ich nach 4 Monaten mal wieder im Krankenhaus. Nach 3 1/2 Stunden bin ich wieder rausgelaufen und war total fertig und bin es seither den ganzen Tag.

Das liegt nicht mal an der körperlichen Anstrengung. Die Eindrücke, die Gerüche, alles erinnert mich an die Chemo-Zeit. Und irgendwie fühlt es sich merkwürdig an.

Ich kam heute morgen in der Ambulanz an und wurde von fast allen Schwestern nicht mehr richtig erkannt. Also auf den zweiten Blick dann schon, aber das war sehr ungewohnt für mich, weil mich die Schwestern ja über Jahre hinweg durch die Therapie begleitet haben. Es fühlt sich komisch an, nicht mehr “dazuzugehören”, obwohl mich das eigentlich glücklich machen sollte.

Vielleicht ist es die Tatsache, dass ich im Moment wie zwischen zwei Welten hin und hereiere. Ich nenn sie mal die Krebswelt und die Normale Welt. Ich wachse mit jedem Tag mehr in die normale Welt hinein, fühle mich aber noch nicht ganz zu Hause dort, weil ich noch nicht voll belastbar bin und noch nicht wie ein “normaler” Mensch funktioniere. In die Krebswelt passe ich aber auch nicht mehr rein, weil es mir dafür wieder viel zu gut geht. Aber in Gedanken bin ich ständig beim Krebs, wie er mein Leben beeinflusst hat und noch beeinflussen wird.

Auch wenn meine Gedanken ständig um das Thema Krebs kreisen, war es heute merkwürdig, in der Ambulanz an den Infusionsständer gekettet zu sitzen und die gleichen Gerüche und Geräusche wahrzunehmen wie während meinen Therapien. Ich hatte das Gefühl, die Erinnerung daran in eine Schublade ganz hinten in meinem Gehirn verstaut zu haben und ganz plötzlich ist diese Schublade aufgegangen und all der Mist wieder rausgekommen. Und seither bin ich wieder damit beschäftigt, die Erinnerungen zu sortieren und wieder reinzulegen.

Eigentlich war das Gespräch mit meiner Professorin heute positiv. Wir haben Termine für Anfang April ausgemacht, da ist wieder die große Kernspinuntersuchung und eine Knochenmarkpunktion an der Reihe. Es war vielleicht wieder ein bisschen zu viel von der Krebswelt auf einmal und ich bin froh, das Krankenhaus wieder für 3 Monate hinter mir zu lassen.

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Mein 2012

Dez
2012
29

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Mein Januar hat gut gestartet. Mit der Family durften wir von Herzenswünsche aus nach Hamburg zum Musical Tarzan und haben dort ein wahnsinnig geiles Wochenende erleben können. Danach hat mich die Immuntherapie wieder etwas runtergerissen, aber das gute Kernspin-Ergebnis am 20. Januar hat das dann wieder mehr als ausgeglichen.

 

Im Februar hab ich bei einem Therapiegespräch zum ersten Mal ganz konkret ein Ende in Aussicht gekriegt :) Wir haben ganz genau festgelegt, wann ich die letzten Tabletten nehmen musste. Außerdem hatte ich im Februar das erste Mal Kontakt mit der Produktionsfirma Bewegte Zeiten, ob ich in einer Doku über Krebs mitmachen will.

 

Schon im März wurde das Doku-Vorhaben Wirklichkeit, als mich das Kamerateam dann bei meiner letzten Chemotablette begleitet hat. Ich weiß nicht, was größer war: die Erleichterung darüber, dass die letzte Chemotablette endlich weg war oder die Erleichterung darüber, den ersten Drehtag über die Bühne bekommen zu haben ohne zu viel Mist zu erzählen.

Ende März war dann noch das Fotoshooting, bei dem mich auch das Kamerateam begleitet hat. Für mich war das der Drehtag, der am meisten Spaß gemacht hat :)

Im April war dann alles ein klein wenig stressig für mich, weil ich im Mai in Reha wollte und dafür einen Eilantrag stellen musste. Übrigens war bis 3 Tage vor Rehabeginn noch nicht klar, ob ich sie überhaupt genehmigt bekomm. Ende April hatte ich dann meine Abschlussuntersuchung, bei der ich vor laufender Kamera erfahren habe, dass vom Krebs auch weiterhin nichts sichtbares übrig geblieben ist :) Zwei Tage später wurde dann auch noch mein Port entfernt.

Der ganze Mai war dann vollgepackt mit der Reha: Viel Sport, Tolle Menschen, geniales Wetter, endlich mal wieder Kraft schöpfen und sich fürs normale Leben rüsten.

Im Juni wurde die Dokumentation dann ausgestrahlt. Ich war total happy, dass sie so gut geworden ist :) Danach hatte ich erstmal ein paar Wochen viel zu tun mit E-Mails beantworten, aber das hat Spaß gemacht :)

Die Doku gibts hier http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1669444/Ulrich-protestiert-Fuers-Ueberleben!?bc=svp%3Bsv0#/beitrag/video/1669444/Ulrich-protestiert-Fuers-Ueberleben!

Außerdem war ich im Juni das erste Mal nach 4 Jahren beim Frisör:

Im Juli war ich dann schon ganz schön gut beschäftigt mit den Hochzeitsvorbereitungen. Ende Juli und Anfang August gings dann in den wohlverdienten Portugal-Urlaub im Megafetten Ferienhaus.

Mit Hochzeitsvorbereitungen gings dann auch im Rest-August noch weiter und am 8. September war es dann so weit :)

Außerdem erschien in der Hochzeitswoche in der Zeitschrift “freundin” ein kleiner Beitrag von mir. Den findet ihr übrigens hier: Doku und Presse

Im Oktober hatte ich dann meine nächste Nachsorge-Untersuchung, die wieder gut war. Und danach wurde erstmal beim Mexikaner gefeiert :)

Der November brachte eins der schönsten Geschenke für mich: Mein Tiefkühlkind.

Ende November war ich übrigens noch zwei Tage als Komparsin bei der SOKO Stuttgart :) Das war ziemlich cool, da durfte ich dann mal in Rolle einer Krankenschwester schlüpfen und sogar sein Sätzchen sagen. (Das wird aber erst irgendwann im März ausgestrahlt)

Und jetzt, im Dezember, habe ich wieder angefangen zu arbeiten. Ich hatte eine tolle Adventszeit und ein wunderschönes Weihnachtsfest.

So, das war jetzt einiges. Ich hoff ich hab euch nicht allzu sehr gelangweilt :)

Ich frag mich grad ernsthaft, ob dieses Jahr irgendwie noch zu toppen ist. Ich glaub nicht :) Aber das nächste Jahr wird trotzdem wahnsinnig cool. Ich bin wieder im Leben angekommen und kann im nächsten Jahr voll durchstarten.

Ich wünsch euch allen einen super Start ins Jahr 2013!

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